Reinhard Kaufmann erinnert sich
Ich bin in Wiener Neustadt im sogenannten Zehnerviertel bei meinen Großeltern aufgewachsen. 1960 sind an einem Samstag bei der Erlöserkirche plötzlich Rallyeautos vorbeigedonnert. Sie kamen von der Fischauer Betonstraße, wo bei der Martha-Goldpokal-Rallye die Sonderprüfung über „den stehenden und den fliegenden Kilometer“ stattfand. Mir und meinen Spielkameraden blieb vor lauter Staunen der Mund offen stehen. Zehn Jahre später, bei der 11. Martha-Goldpokal-Rallye, die der ÖAMTC ZV-Polizeimotorsport veranstaltete, saß ich bereits in einem der Rallyeautos. Bei meinem Freund Ing. Heinz Knapil fuhr ich als Beifahrer in einem NSU 1000 CC mit. Und ab 1971 gaste ich mit einem Toyota 1000 Publica selber an.
Der liebenswerte Martha-Werbechef Peter Tüköry hatte damals offenbar Geld wie Heu zur Verfügung. Neben der Goldpokal-Rallye gab es auch die Martha-Journalisten-Rallye (nur auf Einladung) und später den Martha-Goldpokal-Slalom. Zwischen 1970 und 1973 bin ich drei mal bei der Journalisten-Rallye und vier mal bei der Goldpokal-Rallye gestartet. Den größten Erfolg feierte ich 1973 (Toyota 1000 Publica) mit einem Klassensieg, wobei mein Beifahrer ein gewisser Rudi Stohl war. Mit dem ich 13 Jahre später immerhin Vizeweltmeister in der Gruppe A wurde (auf Audi quattro). Meine leider viel zu früh verstorbene Ehefrau Ernestine fuhr 1971 mit mir bei der Journalisten-Rallye mit. Auf Einladung von Martha nächtigten wir vor und nach der Rallye in einem feinen Hotel in Wien, bei der Siegerehrung waren Anzug und Abendkleid selbstverständlich. Der damalige ORF-Star Peter Nidetzky fuhr ebenfalls mit und sammelte bei der Siegerehrung, um Peter Tüköry einen Bildband über die Lipizzaner im Namen aller Teilnehmer überreichen zu können. 1974, als es die ominöse Benzinkrise gab, gab es plötzlich keine Rallye-Staatsmeisterschaft mehr. Daher entschlief die Goldpokal-Rallye so wie alle anderen Meisterschaftsläufe. Es dauerte dann nicht lange, und Martha wurde vom Mutterkonzern ARAL stillgelegt.
Noch einige Sätze zum ÖAMTC-ZV Polizeimotorsport, der als Veranstalter der MARTHA Goldpokal Rallye und der MARTHA Journalisten Rallye fungierte. 1995 fuhr ich mit Hans Schachinger die Rallye San Remo (WM-Lauf), wo wir mit einem Mazda 323 Turbo die Gruppe N gewannen. Außerdem holten wir noch den Gruppensieg bei der Semperit-Rallye. Vor Weihnachten rief er mich an und bat mich, im Wachzimmer Wien-Hietzing vorbei zu kommen. Dort erhielt ich von ihm völlig überraschend einen wunderschönen Pokal. Des Rätsels Lösung: Da Hans Schachinger Polizeibeamter war, wurde er mit dem WM-Erfolg in Italien und dem EM-Sieg im Waldviertel Polizei-Rallyemeister und ich daher auch Wiener Polizei-Rallyemeister als Copilot.
|